Kein Lappen hält ewig

Bis zum Jahr 2033 müssen alle alten Führerscheine umgetauscht werden. Damit verliert der letzte Papierführerschein spätestens zum 19. Januar 2025 seine Gültigkeit. Wie der Umtausch abläuft und worauf Sie dabei achten müssen, erfahren Sie hier.
4. Dezember 2020

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Anna Reuber

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Der Führerschein-Umtausch kommt

Vor nicht allzu langer Zeit konnten die älteren FahrerInnen im Unternehmen die jüngeren noch hinsichtlich der Führerscheine belächeln. Geringere Auflagen, die großzügige Anerkennung ehemaliger Führerscheinklassen und die unbegrenzte Gültigkeit des Führerscheins zählten zu den Privilegien der frühen Fahrergeneration.

Damit ist nun leider Schluss, denn selbst für die alten Lappenbesitzer gibt es ein Ablaufdatum. Für die Fuhrparkleitung sind die Ablaufdaten der Führerscheine von besonderer Bedeutung. Schließlich dürfen Ihre FahrerInnen nur mit gültiger Fahrerlaubnis die Fahrzeuge des Unternehmens führen.

Wann findet der Umtausch des Führerscheins statt?

Ab Januar 2023 heißt es dann für die ersten Führerscheinbesitzer, sich von ihrem geliebten Papierdokument zu verabschieden. Grund ist die EU-Richtlinie 2006/126/EG, welche für alle Mitgliedsstaaten eine maximale Gültigkeit der Führerscheine festlegt. Nach 15 Jahren muss das Dokument aktualisiert werden.

Gestaffelter Umtausch der Führerscheine bis 2033

Zwar schreibt die EU den Mitgliedsstaaten nur vor, dass bis 2033 alle Führerscheine umgetauscht sein müssen, doch durch einen Bundesratsbeschluss vom 15.02.2019 steht fest, dass der Gang zur Zulassungsstelle schon früher fällig ist. Um den Organisationsaufwand möglichst gleichmäßig zu verteilen, erfolgt der Umtausch gestaffelt. Relevant ist das Datum, an dem der Führerschein ausgestellt wurde.

Wie lange sind die Papierführerscheine noch gültig?

Als Erstes geht es beim großen Umtausch den Papierführerscheinen an den Kragen. Diese verlieren spätestens bis zum 19. Januar 2025 ihre Gültigkeit. Einzige Ausnahme: Wer vor 1953 seine Fahrerlaubnis erhalten hat, kann bis 2033 damit fahren. Wer einen solchen Führerschein besitzt, dürfte zum Zeitpunkt der Umtauschpflicht ohnehin knapp 100 Jahre alt sein – oder älter.

Alle anderen Fristen zum Umtausch der Papierführerscheine können der folgenden Tabelle entnommen werden:

Jahrgang der Ausstellung des Führerscheins Frist des Umtauschs
1953–1958 19.01.2022
1959–1964 19.01.2023
1965–1964 19.01.2024
1971–1998 19.01.2025

Wie lange ist mein Kartenführerschein gültig

Selbst mit dem neuen EU-Kartenführerschein bleibt Ihnen der Umtausch nicht erspart. Auch die Millennials altern schließlich und müssen in Zukunft regelmäßig den Führerschein updaten. Alle 15 Jahre ist der Gang zur Behörde für FahrerInnen nötig, die nach dem 18.01.2013 ihre Fahrerlaubnis erhalten haben. Für die Führerscheine, die zwischen 1999 und diesem Datum ausgestellt wurden, gelten zunächst gestaffelte Umtauschfristen.

Jahrgang der Ausstellung des Führerscheins Frist des Umtauschs
1999–2001 19.01.2026
2002–2004 19.01.2027
2005–2007 19.01.2027
2005–2007 19.01.2028
2008 19.01.2029
2009 19.01.2030
2010 19.01.2031
2011 19.01.2032
2012–18.01.2013 19.01.2033

Welche Führerscheine sind vom Umtausch betroffen?

Jeder Führerschein muss irgendwann umgetauscht werden, sogar wenn auf dem bisherigen Dokument kein Ablaufdatum vermerkt ist. Die obigen Fristen gelten für alle Führerscheine, die vor dem 11.01.2013 ausgestellt wurden. Insgesamt betrifft das in Deutschland schätzungsweise über 40 Millionen Führerscheine.

Das Ausstellungsdatum Ihres eigenen Führerscheins finden Sie beim grauen Papierführerschein auf der Innenseite links handschriftlich eingetragen. Beim rosafarbenen Führerschein finden Sie das Ausstellungsdatum auf der Innenseite rechts per Hand hineingeschrieben. Der Vermerk „unbefristet gültig“ wurde durch die neuen Bestimmungen entkräftet.

Am Führerschein im Kartenformat finden Sie das Ausstellungsdatum auf der Vorderseite unter Punkt 4a. Bei allen Führerscheinen, die nach dem 18.01.2013 ausgestellt wurden, finden Sie unter Punkt 4b schon jetzt ein Ablaufdatum. Nach dem Umtausch ihres alten Führerscheins wird hier immer ein Datum stehen: 15 Jahre nach dem Ausstellungsdatum läuft jeder EU-Führerschein dann spätestens ab.

Der Führerschein läuft ab, die Fahrerlaubnis bleibt bestehen

Selbst ältere FahrerInnen brauchen allerdings keinen plötzlichen Entzug der Fahrerlaubnis befürchten. Die Verordnung hat lediglich zum Ziel, die Dokumente regelmäßig erneuern zu lassen. Die Fahrerlaubnis selbst bleibt bei den Klassen A und B unbetroffen. Das bedeutet ebenfalls: Selbst, wenn Sie nach der Umtauschfrist mit alten Dokumenten erwischt werden, droht nur ein geringes Bußgeld. Schließlich besteht die Fahrerlaubnis in diesem Fall auch ohne das gültige Dokument.

Gültigkeit des LKW- und Bus-Führerscheins

Etwas komplizierter wird es da bei höheren Führerscheinklassen wie dem LKW- und Bus-Führerschein. Im Rahmen der großen Umtauschaktion werden die Führerscheine getauscht, doch durch Regelungen für Berufskraftfahrer ist auch hier der regelmäßige Gang zur Behörde nötig.

Die Führerscheinklassen C1 und C1E sind nur bis zum 50. Lebensjahr gültig, danach muss die Verlängerung der Gesundheitstest bestanden werden. Dieser besteht aus ärztlichem und augenärztlichem Gutachten. Nur wer bis zum 31.12.1998 die damalige Klasse 3 bescheinigt bekommen hat, kann die entsprechenden Fahrzeugklassen C1 und C1E weiterhin unbefristet fahren.

Für die LKW-Führerscheine C und CE, also die ehemalige Klasse 2, gilt das nicht. Genauso wie Busführerscheine müssen diese Klassen alle fünf Jahre erneuert werden.

Anlaufstellen für den Umtausch des Führerscheins

Zwar sind die Fristen zum Umtausch gestaffelt, doch die Führerscheine können schon früher umgetauscht werden. Wir empfehlen daher, sich frühzeitig um die Erneuerung zu kümmern. Am 18. Januar jeden Jahres ist der Andrang sicher größer als im April des Vorjahres.

Um den alten Führerschein umzutauschen, müssen Sie lediglich einen Termin bei der entsprechenden Behörde anfragen und ihren alten Führerschein mitbringen. Je nach Bezirk ist entweder das lokale Bürgeramt, die Führerscheinstelle oder die Fahrerlaubnisbehörde zuständig.

Gründe für den Führerschein-Umtausch

Während die Beatles-Frisur oder der hippe Freddy-Mercury-Schnäuzer auf dem Führerscheinbild immer wieder für gute Lacher in der Belegschaft sorgen, sind alte Lichtbilder der Polizei ein Dorn im Auge. Die Person auf dem verblassten Schülerfoto im 30-Jahre-alten Papierführerschein könnte schließlich jeder mit derselben Haarfarbe und passendem Alter sein.

Zudem sind besonders beim alten Lappen nur wenige Sicherheitsmerkmale vorhanden, um einen Originalführerschein zu erkennen. Am EU-Führerschein fällt das wesentlich leichter.

Weitere Vorteile sind vom Gesetzgeber nicht geplant, aber dennoch vor allem für Unternehmens- und Fuhrparkleitung von besonderer Bedeutung. Die Vereinheitlichung der Dokumente erleichtert vor allem die regelmäßige Führerscheinkontrolle im Unternehmen. Bereits heute können über die Siegelkontrolle alle Führerscheine rechts- und fälschungssicher von einer Software kontrolliert werden. Doch der EU-Kartenführerschein ermöglicht noch mehr Effizienz.

Als einziges System der elektronischen Führerscheinkontrolle, lassen sich über die Smartphone-Kamera mit der App DriversCheck die optischen Merkmale des Führerscheins abtasten. FahrerInnen können somit die Pflicht der regelmäßigen Führerscheinkontrolle per App erledigen: überall und jederzeit. Das sorgt für höchste Sicherheit und spart dem Fuhrparkpersonal Zeit und Geld.

Neue Technologie steht allerdings nicht im Widerspruch zur Nostalgie: Damit die guten Erinnerungen und die Lacher im Fuhrpark erhalten bleiben, können ihre FahrerInnen den alten Lappen aber behalten und weiterhin Vorführen. Er wird beim Umtausch durch die Behörde lediglich entwertet.

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