E-Fuhrpark: Sollen Unternehmen auf E-Mobilität umsteigen?

Die Umstellung unserer Mobilität hin zu sauberer Luft und emissionsarmen Technologien gilt als eine der großen Aufgaben der kommenden Jahre und Jahrzehnte. Das gilt auch für den Fuhrpark des Unternehmens. Warum sich die unternehmenseigene E-Flotte lohnen kann und was es zu beachten gibt, klären wir im zweiten Teil unserer Serie zum E-Fuhrpark.
17. November 2021

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Nils Heininger

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E-Flotten Umstellung

Im ersten Teil haben wir uns angesehen, warum der E-Dienstwagen besonders für Ihre MitarbeiterInnen durchaus attraktiv ist. In diesem Beitrag geht es um das Unternehmen selbst: Wir schauen auf den Nutzen und erklären, wann sich die Umstellung auf E-Fahrzeuge lohnt – und in welchen Fällen Sie sich noch gedulden sollten.

Preis der Betriebskosten liegt deutlich unter dem Verbrenner

Allen voran zählen in den meisten Betrieben die nackten Zahlen: Ist eine E-Flotte ökonomisch sinnvoll oder eine nachhaltige, aber finanziell schwer zu rechtfertigende Investition? Die Antwort darauf ist abhängig von dem Bewegungsprofil ihrer Unternehmensflotte und folgt grundsätzlich einer einfachen Regel: Je höher die Nutzung, desto lukrativer wird der E-Antrieb.

Das liegt vor allem daran, dass Stromer bei den variablen Kosten punkten, Verbrenner jedoch bei den Fixkosten. Elektrisch betriebene Autos kosten etwas mehr in der Anschaffung, sparen dafür jedoch auf jedem zurückgelegten Kilometer bares Geld. Zusätzlich bleiben die Kosten kalkulierbar und unabhängig von unberechenbaren Benzinpreisschwankungen.

Die Kostenvorteile entstehen allerdings nicht nur durch die den Vergleich von Strom- und Benzin- oder Dieselkosten. Das E-Auto zeigt sich wesentlich wartungsärmer und ist dadurch im Betrieb besonders günstig. Gerade die kleinen Modelle leiden unter verhältnismäßig wenig Verschleiß. Kupplung, Getriebe, Auspuff: Auf all diese Bauteile verzichtet das E-Auto.

Dadurch sinken die Wartungs- und Reparaturkosten beachtlich, lediglich die regelmäßigen Werkstattbesuche im Rahmen der UVV-Fahrzeugprüfung müssen Fuhrparkbeauftragte weiterhin im Hinterkopf behalten – oder durch smarte Lösungen reibungslos in den Arbeitsablauf integrieren.

Die Reichweite als Herausforderung

Interessanterweise steht den rein finanziellen Vorteilen eine Herausforderung gegenüber, die sich ebenfalls aus der intensiven Nutzung ergibt: Je höher die tägliche Strecke eines E-Fahrzeugs, desto höher liegt der organisatorische Aufwand im Fuhrpark. Grund dafür ist die eingeschränkte Reichweite vieler E-Autos. Zwar gibt es mittlerweile viele Modelle, die mit einer realistischen Reichweite von über 350 Kilometer punkten können, für die Strecke Berlin nach München müssen Sie dennoch mindestens einen Ladestopp einplanen.

Während Autos mit Verbrennungsmotoren durch ihre sehr kurzen Tankzeiten nahezu voll auslastbar sind, benötigen Ihre Elektrofahrzeuge immer eine gewisse Standzeit. Nicht in jedem Fall führt das zu spürbaren Veränderungen im Arbeitsablauf. Arbeiten Ihre FahrerInnen als Dienstleister im urbanen Bereich mit kurzen Strecken wird sich die Einschränkung bis zum Schichtende nicht negativ auswirken.

Im Gegenteil: Ihre MitarbeiterInnen parken die Fahrzeuge auf dem Firmengelände, schließen dieses an die eigene Ladestation an und sparen sich dabei sogar den Umweg zur Tankstelle.

 

E-Mobilität erfordert ein Umdenken bei Fahrtenplanung

Ein gravierender praktischer Unterschied zwischen E-Fahrzeugen und Verbrennern besteht deshalb in der Versorgung: Während Verbrenner bedarfsorientiert getankt werden, sollten E-Autos immer geladen werden, wenn sie stehen.

Damit die Auslastung gerade im Schichtdienst und Dienstleistungssektor gelingt, benötigt die Umstellung auf E-Mobilität mehr Planung und eine genaue Analyse der Strecken und Fahrzeugleistung. Ungeplante Strecken oder ein falsch kalkulierter Verbrauch erzeugen bei Verbrennern nur finanzielle Einbußen. Beim E-Fahrzeug bedeuten Sie im schlimmsten Fall stark verspätete Ankunft, entfallene Termine oder geplatzte Aufträge.

In der Regel sollte dies jedoch kein Hemmnis sein, denn Ladezeiten und Verbrauch lassen sich über smarte Software berechnen und überwachen. Vor allem der unternehmenseigene Ladepark sollte den Anforderungen des Arbeitsalltags entsprechend großzügig ausgestattet sein und genug Raum für spontane Änderungen bieten.

Förderungen machen Umstellung derzeit besonders attraktiv

Grund dafür ist das knappe Angebot an zuverlässigen Ladestationen außerhalb des eigenen Parkplatzes. Obwohl der deutschlandweite Ausbau der Ladeinfrastruktur im vollen Gange ist, sollten sich Fuhrparkbeauftragte aktuell nicht auf deren Verfügbarkeit verlassen. Schließlich können diese im entscheidenden Moment belegt sein. Ist die nächste Ladesäule zu weit entfernt, bleibt nur die Möglichkeit zu warten – einen Kanister Strom kann der ADAC bisher nicht liefern.

Mit der Investition in den E-Fuhrpark auf eine bessere Infrastruktur zu warten, ist jedoch ebenfalls problematisch. Um der Mobilitätswende unter die Arme zu greifen, stellt die Bundesregierung bis Ende 2025 enorme Summen bereit. So können KäuferInnen von Elektroautos mit einem Zuschuss von bis zu 9000 Euro durch die BAFA-Förderung rechnen. Ob diese Beiträge auch nach 2025 noch bereitstehen, ist unklar.

Ähnlich steht es um den Ausbau der Ladeinfrastruktur. Firmen, die neben den hauseigenen Ladestationen auch öffentlich-zugängliche Ladestationen bereitstellen, können hierfür ebenfalls Förderungen in Höhe von bis zu 80 % der Ausgaben beantragen.

Imagegewinn nicht nur bei den KundInnen

Der Zeitpunkt für die Umstellung ist dementsprechend aus finanzieller Sicht momentan besonders günstig. Neben den harten Zahlen spricht jedoch auch das Ansehen eines zukunftsorientierten Fuhrparks für die zeitnahe Umstellung. Wer heute schon auf E-Fahrzeuge setzt, kann als Vorreiter der nachhaltigen Mobilität im Unternehmensimage punkten. Schon bald könnte sich das ändern: Wer in nicht allzu ferner Zukunft ausschließlich mit Verbrennern fährt, wird dann eher als rückständig betrachtet werden.

Das gilt nicht nur für das Image bei potenziellen KundInnen. Ihr Personal erkennt ebenfalls die Zeichen der Zeit. Zukunftsorientierte Arbeitgeber sind bei vielversprechenden Führungskräften sehr angesehen und bei Gehaltsverhandlungen ist ein E-Dienstwagen für Ihre neuen und älteren MitarbeiterInnen finanziell ohnehin wesentlich attraktiver als ein Verbrenner. Grund dafür ist vor allem die geringe steuerliche Belastung.

In vielen Fällen lohnt sich die zeitnahe Umstellung

Momentan scheint die Elektromobilität auf kurze oder lange Sicht den Großteil der Verbrennungsmotoren zu ersetzen. Schon jetzt lohnt sich der Umstieg in vielen Fällen und selbst die Nachteile der geringeren Reichweite werden in wenigen Jahren durch mehr öffentliche Schnellladesäulen und verbesserter Akkutechnologie entfallen. Ökologisch rentiert sich die Umstellung in jedem Fall besonders bei einer verstärkten Nachfrage nach erneuerbaren Energien.

Ob sich der Umstieg schon jetzt für Ihr Unternehmen rechnet? Im Zweifel kann nur eine Kostenanalyse Klarheit bringen. Anschaffungskosten, erwartete Laufleistung, Wartungskosten, Förderungen und die Investition in passende Ladeinfrastruktur sind Faktoren, die in jede Analyse einfließen müssen. Auf kurz oder lang wird die Umstellung ohnehin erfolgen – jedoch sollten Fuhrparkverantwortliche die zeitlich begrenzten Fördermittel nicht außer Acht lassen.

In einigen Branchen werden Verbrenner jedoch weiterhin das Mittel der Wahl bleiben. Logistikunternehmen, die lange Strecken mit viel Gewicht befahren, werden derzeit selbst mit hohem Aufwand kaum Möglichkeiten finden, den Weg einer umweltschonenderen Mobilität zu gehen. Nicht zuletzt aus diesem Grund wird es zu einem fließenden Übergang und einer Koexistenz von Verbrennern und Stromern im Alltag kommen.

Der Erfolg jeder Umstrukturierung steht und fällt letztlich mit der Vorbereitung, der Planung und dem Blick in die Zukunft. Im Falle des E-Fuhrparks betrifft dies vor allem die passende Ladeinfrastruktur. Diese werden wir im letzten Beitrag unserer Reihe zur E-Flotte betrachten.

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Nils Heininger

Nils Heininger

Freier Redakteur
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