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Reifendruckkontrolle im Auto: Das solltest du über RDKS wissen

17. November 2025 5 minutes Lesezeit
Nils Heininger Freier Redakteur

Kraftstoff sparen, Verschleiß verringern und vor allem sicher fahren: Der richtige Reifendruck beim Auto ist essenziell. Damit es auf den europäischen Straßen sicher zugeht, ist für alle neu angemeldeten Fahrzeuge ein Reifendruckkontrollsystem (RDKS) vorgeschrieben. Welche Systeme es gibt und welche zusätzlichen Kosten und welcher Aufwand damit verbunden sind, erfährst du hier.

Auf einen Blick

Was ist ein RDKS?

Als RDKS bezeichnet man das Reifendruckkontrollsystem eines Autos. Dieses warnt den Fahrer durch ein gelbes Warnsymbol bei Druckverlust im Reifen.

Ist RDKS in Deutschland Pflicht?

Seit 2014 müssen alle neu angemeldeten Fahrzeuge über ein RDKS verfügen. Eine Nachrüstung früher angemeldeter Fahrzeuge ist nicht vorgeschrieben.

Worin unterscheiden sich direktes und indirektes RDKS?

Direkte Systeme messen den Reifendruck über eingebaute Sensoren, indirekte Systeme erkennen Druckverlust über Raddrehzahlen des ABS/ESP.

RDKS-Sensoren seit 2014 vorgeschrieben

Zu wenig Luft im Reifen kostet Geld: Der Verschleiß des Reifens und der Benzinverbrauch steigen. Allgemein wird von einem um bis zu 5 % erhöhten Verbrauch ausgegangen, wenn der Luftdruck im Reifen nur 0,2 bis 0,5 bar zu gering ist. Gerade die Kosten im Fuhrpark können sich hier schnell summieren.

Dass die EU seit 2014 für alle neu angemeldete PKW und Wohnmobile ein RDKS zur Pflicht gemacht hat, liegt jedoch wohl eher an den Aspekten der Sicherheit: Da die Reifen der einzige Kontaktpunkt zwischen Fahrzeug und Fahrbahn sind, sollte mit dem Druck nicht fahrlässig umgegangen werden. FahrerInnen von modernen Fahrzeugen werden entsprechend gewarnt, wenn der Reifendruck vom empfohlenen Wert abweicht.

Die EU schreibt in der Richtlinie ECE-R 64 in § 5.3 folgende Eigenschaften für die Reifendruckanzeige vor:

  • Das System muss ab spätestens 40 km/h funktionieren
  • Der Druckverlust eines Reifens um 20 % muss nach spätestens 10 Minuten erkannt werden

Die Vorschriften lassen einen gewissen Spielraum für die Entwicklung unterschiedlicher Systeme für die Reifendruckkontrolle. Dementsprechend finden sich am Markt verschiedene Formen der RDKS.

Direktes und indirektes RDKS

Bei den RDKS unterscheidet man zwischen zwei Hauptvarianten: dem direkten und dem indirekten RDKS. Während das direkte RDKS genauer ist, ist das indirekte RDKS mit weniger Kosten und Aufwand beim Reifenwechsel verbunden.

Direktes RDKS: Reifen mit Drucksensor

Beim direkten RDKS wird der Reifendruck direkt im Reifen gemessen. Hierfür sitzt üblicherweise am Ventil an der Innenseite des Reifens ein Messgerät, welches den Reifendruck und häufig auch die Lufttemperatur misst. Alternativ können die Messsysteme auch am Reifen selbst oder anstelle der Ventilkappen angebaut werden.

Die Messwerte aus allen vier Rädern werden direkt über Funk an einen Empfänger (meist im Radkasten) übertragen und im Steuergerät des Fahrzeugs verwertet. Beim direkten RDKS ist der Luftdruck der einzelnen Reifen in vielen Fahrzeugen in der Reifendruckanzeige nahezu in Echtzeit einsehbar. In jedem Fall wird ein Druckverlust zeitnah durch eine gelbe Warnleuchte gemeldet.

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Passives RDKS: Druckverlusterkennung ohne eigenen Sensor

Beim passiven RDKS wird auf Sensoren bestehender Fahrerassistenzsysteme zurückgegriffen, welche Rückschlüsse auf den Reifendruck geben können. Durch die Sensorik des ABS/ESP-System werden kontinuierlich die Raddrehzahlen aller Räder gemessen. Bei einem Druckverlust im Reifen verringert sich dessen Durchmesser, wodurch die Raddrehzahl steigt. Auch die Schwingung des Reifenmantels verändert sich, was ebenfalls messbar ist.

Das passive RDKS zieht entsprechend Schlüsse aus der Veränderung der bestehenden Werte und stellt dadurch fest, dass der Druckverlust eines Reifens vorliegt. Bei dem System müssen nach der Meldung alle vier Reifen kontrolliert werden, da leichter Druckverlust auch in anderen Reifen vorliegen kann. Nach der Druckkorrektur muss das System mit den neuen Werten wieder „angelernt“ werden. Dies geschieht meist per einfachem Knopfdruck.

Kosten und Vorteile: Vergleich der RDKS

Geht es um Genauigkeit, hat klar das aktive RDKS die Nase vorn. Hier wird in sehr kurzen Abschnitten der genaue Druck des Reifens gemessen und an das Fahrzeug weitergegeben. Kleine Abweichungen werden sofort bemerkt. Doch das System ist teurer: Es benötigt zusätzliche Hardware. Reifenwechsel können nicht mehr eigenständig durchgeführt werden und das System muss bei jedem Wechsel überprüft und gegebenenfalls gewartet werden.

Folgende Tabelle zeigt den zusätzlichen Aufwand der direkten, aber auch die Nachteile der indirekten Reifendruckkontrollsysteme.

direkt indirekt
Kosten 120-300 Euro pro Reifensatz Keine zusätzlichen Kosten
Starker Druckverlust auf einem Rad Wird sofort erkannt Wird schnell erkannt
Gleichmäßiger Druckverlust auf allen Reifen (Diffusionsverlust) Wird sofort erkannt Kann zu einem gewissen Grad unerkannt bleiben, da System nur Abweichungen der einzelnen Räder vergleicht
Druckmessung im Stand Sehr genau Nicht möglich
Anlernen nach Aufpumpen Nach Initialisierung nicht nötig Anlernen nach jeder Druckkorrektur nötig – allerdings unkompliziert per Knopfdruck möglich
Reifenwechsel Nur durch Experten / Werkstatt möglich Selbstständig durchführbar
Wartung Ventileinsatz, Mutter, Dichtung, Kappe und Batterie müssen regelmäßig geprüft und bei Bedarf gewechselt werden Keine zusätzliche Wartung nötig
Wuchtung Unwucht durch Sensor sollte korrigiert werden Keine zusätzliche Unwucht

Besonders der unbemerkte, schleichende Diffusionsverlust ist ein Nachteil der indirekten RDKS. Da das System nur die Werte der Räder zueinander vergleicht, fallen schleichende Veränderungen auf allen Rädern gleichzeitig nicht auf.

Reifendruckanzeige leuchtet – was tun?

Egal ob Luftdrucksensor oder indirekte Messung: Sobald die gelbe Lampe in Form eines platten Reifens im Cockpit aufleuchtet, gilt es zu handeln. Bei der direkten Messung ist der Fall schnell klar: Der entsprechende Reifen muss sofort geprüft werden. Liegt ein leichter Druckverlust vor, kann dies am gewöhnlichen Diffusionsverlust liegen. In diesem Fall muss er bei der nächsten Möglichkeit geprüft und wieder aufgepumpt werden.

Bei einer Warnung des indirekten RDKS müssen immer alle Räder auf den korrekten Luftdruck kontrolliert werden. Hier gilt bei kleinem Druckverlust: Alle vier Reifen möglichst genau auf den vorgeschriebenen Luftdruck bringen und anschließend das indirekte RDKS per Knopfdruck anlernen. Details hierzu finden sich in der Bedienungsanleitung des Fahrzeugs.

Ist ein Reifen komplett platt oder verliert er deutlich schneller Luft als andere, liegt gegebenenfalls ein Schaden vor. Dann muss der Wagen in die Werkstatt. Viele Fahrzeuge haben heutzutage kein Ersatzrad mehr an Bord, sodass bei einem platten Reifen nur der Anruf beim Pannenservice oder Abschleppdienst hilft. Mit einem platten Reifen weiterzufahren, wäre gefährlich und verboten.

Sollte das Warnsymbol aufleuchten, obwohl alle Reifen den richtigen Druck haben, ist eventuell der Reifendrucksensor beschädigt. Auch hier hilft nur die Fahrt zur Werkstatt. Bei der Hauptuntersuchung gilt ein defektes RDKS als geringer Mangel, der jedoch umgehend beseitigt werden muss. Auch bei der jährlichen UVV-Prüfung für Firmenwagen ist die Prüfung des RDKS vorgeschrieben.

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